Hilfreiches Kommunizieren – Oder: Wie ich andere Menschen vor mir selbst schütze

In der letzten medienpädagogischen Sitzung wurde u.a. diskutiert, welche Inhalte in einer Fortbildung zur Zuhörförderung enthalten sein sollten. Und ich sage: wir MÜSSEN den Aspekt des hilfreichen Zuhörens unbedingt wieder einbauen oder besser noch: des hilfreichen Kommunizierens. Folgende Begegnung der dritten Art brachte mich darauf.

An einem schönen Freitagnachmittag machte ich noch ein paar Besorgungen in der Leipziger Innenstadt, wozu auch gehörte noch ein Brot einzukaufen. Da ich Fan eines ganz bestimmten Brotes von einer ganz bestimmten Bäckerei bin, machte ich mit meinem Rad noch einmal Halt am BackWerk. Wie vielleicht mancheR von euch weiß, darf man dort nicht offiziell seinen Drahtesel parken. Jedoch überzeugt davon, dass ich innerhalb von ein paar Minuten weiterfahren würde, steuerte ich also den potentiellen Abstellplatz an.

Ich war noch nicht ganz abgestiegen, da vernahm ich eine liebliche Stimme vom Freiluft-Kaffeetisch neben mir, an dem zwei ältere Damen saßen: „Dass die hier nisch halden dürfn, begreifen die aber ooch nisch. BEKLOBBDOR KANNMOR DOCH GOAR NISCH SÄIN.“ (Tipp für's Rezitieren zu Hause: die Mundwinkel so weit nach unten ziehen, wie möglich, die rauchigste verfügbare Stimme auflegen und so viel Frust in die Aussage zu legen, als wäre man gerade bei „Wer wird Millionär?“ an der 500-Euro-Frage gescheitert!)

Wohlgemerkt war diese Aussage nicht in direkter Rede an mich gerichtet, sodass ich zwar innerlich fassungslos war, mir jedoch im ersten Moment nichts habe anmerken lassen und zunächst wie geplant mein Brot gekauft habe.

Doch spätestens an der Kasse kochte es in mir! Wie unzufrieden muss man mit seinem eigenem Leben sein, dass man mir nichts, dir nichts solch eine Äußerung über einen fremden Menschen freigibt. Nicht auszudenken, wenn die Generationenverhältnisse umgedreht gewesen wären! Dann würde es wieder heißen: „Die Jugend heutzutage...“ Na ihr wisst schon.

Zumal die Aussage ja eine komplette Lüge ist. Denn begriffen habe ich, dass ich dort mit meinem Fahrrad nicht parken darf. Nichtsdestotrotz bin ich aber meist mit meinem zweirädrigem Fortbewegungsmittel so schnell verschwunden, wie ich gekommen bin! Und das erlaube ich mir dann einfach! Außerdem verdient die Bäckerei ja an meiner Abenteuerlust! ; )

Zuletzt habe ich nach gefühlten 30 Sekunden Aufenthalt im Backshop mein Rad geschnappt und mich bei den Damen mit einem „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!“ verabschiedet. Das werden sie traurigerweise wahrscheinlich nicht verstanden haben, aber schweigen ist halt nicht immer Gold, wenn in einem die Temperatur steigt wie in einem Quecksilber-Fieberthermometer. Zumindest war ich nicht vergleichbar ausfällig. Und das sollte die wichtigste Regel für hilfreiches Kommunizieren sein: Rummotzen hilft nicht! Und wer das nicht kapiert, kann wirklich nicht bekloppter sein!


Eure Nicole

14.8.09 18:17

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Seba (15.8.09 18:38)
Hey,

echt, die Leute, die einem so auf der Straße begegnen, sind schon zum Gruseln. Ich verstehe dich sehr gut und du hast mein absolutes Mitgefühl. Aber es sollte dich weniger aufbringen. Wir überhöhen uns einfach ein bisschen und haben Mitleid mit diesen un würdigen, Kaffee trinkenden Kreatürchen.

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